
Der FDM‑3D‑Druck (Fused Deposition Modeling) ist das am weitesten verbreitete additive Fertigungsverfahren für Kunststoffe. Er eignet sich für Prototypen, Einzelteile und Kleinserien und ist heute Standard im professionellen 3D‑Druck‑Service ebenso wie im industriellen Umfeld.
Dieser Ratgeber erklärt nüchtern und technisch korrekt, wie FDM funktioniert, was realistisch machbar ist – und wo klare Grenzen liegen.
Was ist FDM-3D-Druck?
Beim FDM-3D-Druck (Fused Deposition Modeling) wird ein thermoplastisches Filament aufgeschmolzen und über eine beheizte Düse Schicht für Schicht aufgetragen. Das Bauteil entsteht additiv aus einzelnen Layern, die sich während des Drucks thermisch miteinander verbinden.
Die resultierende Bauteilqualität hängt maßgeblich von der Schichtstärke, dem Düsendurchmesser und dem Wärmeeintrag während der Extrusion ab.
Typische Schichtstärken liegen bei Verwendung einer 0,4 mm Standarddüse zwischen 0,1 und 0,3 mm. Dünnere Schichten verbessern die Oberflächenqualität, erhöhen jedoch die Druckzeit deutlich.
Als Faustregel gilt:
Die optimale Schichtstärke liegt knapp unter der Hälfte des Düsendurchmessers. Bei der heute weit verbreiteten 0,4 mm Düse hat sich daher eine Schichtstärke von 0,2 mm als praxisnaher Standard etabliert.
Der technische Sweetspot liegt in vielen Fällen bei etwa 0,15 mm. In diesem Bereich ist der Wärmeeintrag hoch genug, um das darunterliegende Material zuverlässig anzuschmelzen und eine gute Layerhaftung zu erzeugen.
erden die Schichten noch dünner, reicht der Wärmeeintrag des neu extrudierten Materials oft nicht mehr aus, um die darunterliegende Schicht ausreichend aufzuschmelzen. Die Folge ist eine nachlassende Schichthaftung.
In die andere Richtung gilt: Bei zu großen Schichtstärken ist der notwendige Extrusionsdruck und die Kontaktfläche zwischen den Layern nicht mehr ausreichend, um eine saubere Verbindung sicherzustellen.
Kernmerkmale des FDM-Verfahrens
- schichtweiser, additiver Aufbau:
Material wird immer nur dort aufgetragen, wo es auch benötigt wird - richtungsabhängige (anisotrope) Bauteileigenschaften:
Die durchgehenden Linien der Schickten haben eine größere Stärke als die Haftung der einzelnen Schichten untereinander - kein massiver Vollkörperdruck, sondern strukturierter Innenaufbau:
Durch die prozentuale Innenfüllung wird Material, Zeit und Geld gespart - wirtschaftlich für Einzelteile und Kleinserien:
Keine hohen Rüstkosten, keine Kosten zur Werkzeugerstellung
Das FDM-Verfahren selbst ist materialunabhängig, die späteren Bauteileigenschaften werden jedoch maßgeblich durch das eingesetzte Filament bestimmt – insbesondere bei technische Filamente, die höhere Anforderungen an Druckparameter und Bauteilkonstruktion stellen.
Aufbau eines Bauteils im FDM 3D-Druck
Ein FDM‑Bauteil besteht immer aus drei konstruktiven Elementen:
- Außenwände (Perimeter)
Sie bestimmen die Oberflächenqualität und einen Großteil der mechanischen Festigkeit. - Infill (Innenstruktur)
Waben‑, Gitter‑ oder Gyroid‑Strukturen mit typischerweise 10–40 % Füllgrad. Höherer Infill erhöht Gewicht und Druckzeit, bringt aber nicht linear mehr Festigkeit. Ein zu hoher Füllgrad bringt hingegen Spannungen beim Auskühlen des Materials ins Bauteil. Diese führen zu Materialverzug, Instabilität und schlimmsten Falls zu Rissen im Bauteil, weshalb ein Füllgrad über 40 % nur in seltenen Ausnahmefällen und bei kleinen Bauteilen sinnvoll sein kann. - Layerhaftung
Die Verbindung zwischen den Schichten ist konstruktiv die größte Schwachstelle. Zug‑ oder Biegekräfte senkrecht zur Schichtrichtung sind kritisch.
Ein Bauteil aus dem FDM 3D-Druck kann daher nicht wie ein gefrästes oder gegossenes Teil betrachtet werden.
Technische Möglichkeiten des FDM-3D-Drucks
Die größte Stärke des FDM-3D-Drucks liegt nicht nur darin, dass ein Bauteil hergestellt wird, sondern wie das Material im Inneren gezielt platziert werden kann. Im Gegensatz zu subtraktiven Verfahren wird Material ausschließlich dort aufgetragen, wo es konstruktiv benötigt wird.
Das eröffnet technische Möglichkeiten, die mit Bohren, Fräsen oder Spritzguss entweder gar nicht oder nur mit extremem Aufwand realisierbar wären:
1. Gezielte Hohlräume und innere Strukturen durch additive Fertigungsverfahren
FDM erlaubt die vollständige Kontrolle über den inneren Aufbau eines Bauteils. Hohlräume, Kanäle und Funktionsbereiche lassen sich frei im Volumen platzieren – unabhängig davon, ob sie von außen zugänglich sind.
Typische Anwendungen:
- geschlossene Hohlräume zur Gewichtsreduktion
- interne Luftkanäle zur Kühlung oder Isolation
- integrierte Kabel- oder Schlauchführungen
- Funktionsräume ohne nachträgliche Montage
Diese Strukturen sind konstruktiv frei definierbar und müssen nicht nachträglich erzeugt werden.
2. Variable Innenfüllungen statt massiver Körper dank FDM-3D-Druck
Ein zentrales Merkmal des FDM-Verfahrens ist die variable Innenfüllung (Infill). Das Bauteilinnere kann lokal angepasst werden – sowohl in Dichte als auch in Struktur.
Dadurch lassen sich gezielt Eigenschaften beeinflussen:
- Steifigkeit nur dort erhöhen, wo Lasten auftreten
- Gewicht reduzieren, ohne Stabilität unnötig zu verlieren, was insbesondere bei Camping 3D-Druck von Vorteil ist, wo es auf jedes Gramm Gewichtsersparnis ankommt
- Schwingungen und Resonanzen dämpfen
Insbesondere gyroid- oder wabenartige Infill-Strukturen wirken schalldämpfend und eignen sich für:
- Gehäuse
- Pumpen- und Motorhalter
- Abdeckungen und Kapselungen
Der große Vorteil: Dämpfung entsteht konstruktiv, nicht durch nachträgliche Dämmmaterialien.
3. Unterschiedliche Wandstärken innerhalb eines Bauteils
FDM erlaubt es, Wandstärken innerhalb eines Bauteils frei zu variieren. Ein Bauteil muss nicht überall gleich stark ausgeführt sein.
Praxisrelevant ist das bei:
- lokalen Verstärkungen an Schraubpunkten
- flexibleren Bereichen neben steifen Zonen
- gezielter Masseverteilung zur Resonanzverschiebung
So lassen sich Bauteile funktional optimieren, ohne unnötig Material, Gewicht oder Druckzeit zu verschwenden.
4. Schwingungs- und Schalldämpfung durch Konstruktion
Durch die Kombination aus:
- Hohlräumen
- variabler Infill-Dichte
- abgestuften Wandstärken
lassen sich gezielt Resonanzen reduzieren oder vollständig vermeiden. Das ist besonders relevant bei technischen Anwendungen, bei denen Körperschall ein Problem darstellt.
Typische Einsatzbereiche:
- Halterungen für Pumpen und Motoren
- Gehäuse für technische Aggregate
- Bauteile im Fahrzeug- oder Maschinenumfeld
Der FDM-Druck ermöglicht hier konstruktive Lösungen, die mit klassischen Fertigungsverfahren kaum wirtschaftlich umsetzbar wären.
5. Multi-Material durch Kunststoff 3D-Druck mit Dual-Extruder-Systemen
Moderne FDM-Drucker mit Dual-Extruder-Technik können verschiedene Materialien innerhalb eines Bauteils kombinieren.
Typische Materialkombinationen:
- ASA oder ABS für stabile Grundstrukturen
- TPU für flexible, dämpfende oder abdichtende Bereiche
Damit lassen sich Funktionen direkt integrieren:
- schwingungsentkoppelte Aufnahmen
- flexible Lager- oder Dämpfungselemente
- kombinierte Hart-Weich-Bauteile ohne Montage
Ein klassisches Beispiel ist die Kombination aus einem formstabilen Träger und integrierten elastischen Zonen zur Schwingungsdämpfung.
Übrigens: Alle diese Vorteile machen wir uns ganz gezielt bei SilentPulse, unserem Schalldämpfer für Standheizungs-Dosierpumpen zu Nutzen.
Mechanische Eigenschaften von FDM-3D-Druck-Bauteilen
Trotz aller Möglichkeiten bleiben die physikalischen Eigenschaften von FDM-Bauteilen richtungsabhängig:
- XY-Richtung (in der Schichtebene): hohe Festigkeit
- Z-Richtung (zwischen den Schichten): deutlich schwächer
Ein häufiger Denkfehler ist, dass mehr Infill automatisch hohe Belastbarkeit bedeutet. In der Praxis sind Wandstärken, Bauteilgeometrie und Druckorientierung entscheidender als 100 % Füllung.
Für funktionale Bauteile gilt:
- Lasten immer parallel zur Schichtlage einleiten
- Kerben, scharfe Übergänge und Punktlasten vermeiden
- Material gezielt auswählen
Wenn Sie tiefer in die Materialauswahl einsteigen möchten, finden Sie in unserem Ratgeber technische Filamenten im 3D-Druck eine detaillierte Einordnung, welches Material sich für welchen Einsatzzweck eignet und wo die jeweiligen Grenzen liegen.
Sollten Sie nicht über die notwendige Drucktechnik oder Erfahrung im Umgang mit technisch anspruchsvollen Filamenten verfügen, unterstützen wir Sie auch direkt im Rahmen unseres professionellen 3D-Druck-Service – von der Materialauswahl bis zur fertigen Komponente.
Wann ist FDM-3D-Druck sinnvoll?
Der FDM-3D-Druck eignet sich besonders für Anwendungen, bei denen Flexibilität, kurze Lieferzeiten und konstruktive Freiheit wichtiger sind als extrem enge Toleranzen oder Serienfertigung mit hohen Stückzahlen.
Typische Einsatzbereiche sind funktionale Einzelteile, Ersatzteile sowie die 3D Druck Kleinserienfertigung, bei der ohne Werkzeuge und mit überschaubarem Kostenaufwand gefertigt werden kann.
Auch für kundenspezifische Bauteile, Prototypen und technische Sonderlösungen ist das FDM-Verfahren häufig die wirtschaftlichste Wahl.
Weniger geeignet ist FDM dagegen für sicherheitsrelevante Bauteile, hochglänzende Sichtflächen oder große Serien mit starkem Stückkostendruck.
Fazit
FDM-3D-Druck ist ein leistungsfähiges, wirtschaftliches Fertigungsverfahren – wenn man seine physikalischen und konstruktiven Besonderheiten bewusst nutzt.
Die Möglichkeit, Material gezielt nur dort einzusetzen, wo es funktional notwendig ist, eröffnet Freiheitsgrade, die mit klassischen Verfahren kaum erreichbar sind. In Kombination mit variablen Innenstrukturen, angepassten Wandstärken und Multi-Material-Druck entstehen Bauteile, die nicht nur leicht, sondern funktional optimiert sind.
Entscheidend bleiben:
- realistische Anforderungen
- richtige Materialwahl
- druckgerechte Konstruktion
Genau hier trennt sich Hobby-Druck von professionellem 3D-Druck-Service.

